Freitag, 25. Oktober 2013

Nestgezwitscher mit Antje Babendererde

Selbstverständlich darf in der Autorenwoche um meine Monatsautorin ein kleines Interview nicht fehlen. Ich habe mir einige Gedanken gemacht und meine Fragen dann an Antje geschickt. Sie war sehr offen, wir haben uns aufs Du geeinigt und noch vor der Frankfurter Buchmesse hat Antje sich die Zeit für die buchgefiederten Fragen genommen. Dafür ein sehr großes Dankeschön! Ihre Sorge, dass die Antworten nicht so interessant seien, konnte ich ihr schon auf der Buchmesse nehmen. Ich hoffe nun, dass euch unser Gezwitscher gefallen wird.

Wir wohnen mit unserem Buchgefiedernest in einem ca. 300 Jahre alten Fachwerkhaus. Auch du lebst schon länger in einem betagten Häuschen. Was macht den Charme für dich aus?

Antje: Nun, es ist ein altes Haus und erzählt eine Menge Geschichten, was für eine Geschichtenerzählerin das perfekte Zuhause ist. Da gibt es unebene Böden, schiefe Wände und Türen, uralte geflößte Balken. Das Alte, das nicht Genormte, das Angefügte, das macht den Charme aus. 

Wann hast du mit dem Schreiben begonnen? Wer war dein erster Leser?

Antje: Ich habe schon als Jugendliche geschrieben, damals aber niemanden lesen lassen. Als ich mit 30 wieder anfing, waren Freunde und Verwandte meine ersten Leser.

15 Indianerromane hast du bisher veröffentlicht. Nun ist der erste Jugendroman erschienen, der sich mit deiner Heimat Thüringen beschäftigt. Warum gerade jetzt ein anderes Thema?

Antje: Obwohl mir die Indianer nach wie vor sehr am Herzen liegen, habe ich gemerkt, dass ich mich festgefahren hatte. Um vielleicht einen neuen Blickwinkel auf das Indianerthema zu finden, brauche ich etwas Abstand. Außerdem rumorte das Thema „Wölfe in Deutschland“ schon seit einiger Zeit in meinem Kopf und ich wollte es anpacken solange es aktuell ist.

Der Wolf spielt auch bei den Ureinwohnern Nordamerikas eine wesentliche Rolle. Du warst 1994 das erste Mal auf diesem Kontinent. In welchem Bundesstaat bist du gewesen und wie sind dir die Native People entgegen getreten?

Antje: Auf meiner ersten Reise 1994, die mich 9 Wochen durchs Land führte, bin ich von Florida aus gen Westen gefahren, durch den Süden, den Südwesten, von dort in den Mittleren Westen, bis hoch nach Kanada, durch Kanada zurück bis nach New York. In den Reservaten habe ich den Kontakt zu den Indianern gesucht und habe durchweg positive Erfahrungen gemacht. Sie waren oft zurückhaltend und doch sehr gastfreundlich. Ich wusste, ich würde wiederkommen.

 Wie sieht es heute aus? Bestehen immer noch Kontakte mit einzelnen Stammesmitgliedern?
  
Antje: Die meisten Kontakte habe ich im Pine Ridge Reservat in South Dakota, einfach, weil ich dort am häufigsten bin. Aber auch sonst sind einige Kontakte bis heute geblieben, bzw. es ergeben sich immer wieder neue. Indianer sind keine großen Briefeschreiber, aber wer einen Internetzugang hat, der meldet sich auch ab und zu.
 
Kommen wir zurück zu deinen Romanen. Wie viel von dir bzw. von anderen existierenden Personen steckt in deinen Protagonisten?

Antje: Dass Eigenschaften oder Verhaltensweisen von einem selbst oder existierende Personen in den Protagonisten stecken, das bleibt nicht aus. So kann ich z.B. auch das, was ich nicht mag an mir, mal so richtig ausleben ☺. Aber: Wenn das Buch zu Ende ist, hören sämtliche Figuren auf zu existieren, sie haben kein Leben außerhalb des Buches.

Früher hast du als Töpferin deinen Lebensunterhalt für eine Weile bestritten. Wie viel Zeit verbringst du neben dem Schreiben noch mit dieser anderen kreativen Arbeit?

Antje: Zum Töpfern komme ich leider überhaupt nicht mehr, die Schreibarbeit hat mich fest im Griff. Freiberufliche Autorin zu sein, bedeutet ja nicht nur, sich neue Romane auszudenken, da gehört viel Recherchearbeit dazu und eine Menge leidige Büroarbeit. Im Frühjahr und Herbst bin ich auf Lesereisen unterwegs - und in dieser Zeit ist Schreiben kaum möglich. Ich muss meist um ungestörte Schreibzeit kämpfen. Meine Töpferwerkstatt habe ich aber noch. Wer weiß ...

Bei so viel Arbeit, wie sieht ein wirklich freier Tag von Antje Babendererde aus?

Antje: Richtig freie Tage gibt es fast nur, wenn ich im Urlaub bin - dann bleibt auch der Laptop zu Hause und ich lasse mich voll und ganz auf meine Umgebung und die Menschen ein. Ein wirklich freier Tag zuhause: lange frühstücken, dabei die Zeitung lesen, spielerisch recherchieren im Internet, ein bisschen im Garten arbeiten, eine lange Mittagsruhe mit Katerchen Paul und einem schönen Schmöker, mit meinem Mann im Garten sitzen und Kaffee trinken, eine Runde spazieren gehen und Abends wieder ein Buch lesen oder vielleicht einen Film anschauen. Aber meistens kommt doch hier und da die Arbeit dazwischen, das bleibt einfach nicht aus. 

Was siehst du, wenn du von deinem Schreibtisch aus, aus dem Fenster blickst?

Antje: Ich blicke auf den ehemaligen Schweinestall. Das klingt wenig romantisch, ist aber gar nicht so schlimm. Es ist ein altes Fachwerkgebäude mit einer blauen Tür und wildem Wein, der sich zurzeit wunderschön färbt. Für mich ist der „eintönige“ Blick genau richtig. Die Abenteuer sollen sich ja in meinem Kopf abspielen und nicht vor dem Fenster, wo sie mich vom Schreiben ablenken würden.

Zum Schluss noch die Buchgefieder-Frage: Wenn du ein beflügeltes Tier sein könntest, welches würdest du dann sein?

Antje: Vielleicht ein Wanderfalke. Die gefallen mir, sie sind anpassungsfähig, fliegen hoch und sehen viel. Außerdem leben sie auch ein paar Jährchen ☺.

Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit für die Beanwortung meiner Fragen genommen hast. Ich wünsche dir noch viele tolle Ideen und Erlebnisse mit deinen Protagonisten und deren Lesern!



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Ich freu mich über euer Gezwitscher!