Dienstag, 10. Februar 2015

"Der gleiche kritische Sinn, der bewirkt, daß wir etwas Gutes schreiben, läßt uns auch befürchten, es sei nicht gut genug, um lesenswert zu sein."

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Aphorismus von Jean de La Bruyère

Immer diese Selbstzweifel. Kennt ihr das auch? Ihr setzt euch hin und fangt an zu tippen. Sei es eine Rezension, eine Kurzgeschichte oder gar ein Manuskript für den nächsten Bestseller. Dann lehnt ihr euch zurück und lest, was ihr da geschrieben habt, jedes einzelne Wort. Langsam schleicht sich etwas in euch ein und lässt euch eure Zeilen noch einmal lesen, jetzt kritischer. Dann erscheint eine Frage in eurem Kopf. Ist das, was ich hier geschrieben habe, auch lesenswert? Hab ich es so gut geschrieben, wie ich es konnte? Oder sind es Worte, die kein Mensch braucht, niemand lesen will? Diese Fragen führen meist nicht dazu, dass wir den Text löschen und von vorn beginnen, sondern sie lassen uns nachdenken, nachsinnen, über unsere Worte. Haben wir die richtigen gewählt? Kommt das, was wir transportieren wollen, all unsere Gedanken und Gefühle auch wirklich beim Leser an? Vielleicht stellen wir fest, dass wir das ein oder andere Wort noch verändern sollten. Eventuell sind wir auch nach dem xten Male noch nicht komplett zufrieden mit unserem Text. Aber genau das ist es, was letztendlich dazu führt, dass wir etwas schreiben, was aus unserem Inneren kommt und das genau ist etwas Gutes. Unsere Schreibereien müssen nicht von jedem geliebt werden. Vielmehr ist es die Authentizität unserer Worte, die uns lesenswert machen. Diese Worte, die wir aneinander reihen und daraus einen Text machen, der uns entspricht. Doch die Befürchtung wird bleiben. Vielleicht sollte sie das, denn nur dann nehmen wir unsere geschriebenen Worte selbst so ernst, dass wir hinterfragen, ob der Text gut ist oder gut genug. Übertreiben sollten wir es freilich nicht, denn jeder Text könnte am Ende als sehr lesenswert und gut gelten, den wir immer wieder zu überarbeiten versuchten.

Mir ging es in den letzten Tagen sehr häufig so. Ihr wisst, bei mir tobt der Kobold. Auch er stellt mich immer wieder vor die Frage, ob die Worte, die ich für ihn wähle, später auch gelesen werden. Im Grunde spielt dies aber nicht die übergeordnete Rolle, denn auch beim Schreiben gilt. Alles ist richtig, so lange es nur authentisch ist und man den Spaß der damit verbunden sein sollte, auch als Leser spüren kann.

Ich wünsche euch eine wundervolle neue Woche, in der ihr die richtigen Worte für euch und eure Leser finden werdet!


1 Kommentar:

  1. Spannende Gedanken. Ich weiß noch genau, als ich an dem Punkt stand und überlegt hab, ob ich das wirklich so schreiben kann. Sobald ich es dann getippt hatte, fand ich es schon wieder grauenvoll.
    Jetzt bin ich zum Glück drüber hinweg und ich kann einfach drauflos schreiben. Das hab ich vor allem deswegen geschafft, weil mir einige Leute gesagt haben, sie finden mein Geschreibsel super. Ich steh mir selbst zwar noch etwas kritisch gegenüber, aber ich denke, das gibt sich auch irgendwann. :)

    Liebe Grüße
    Lioba ♥

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Ich freu mich über euer Gezwitscher!