Donnerstag, 19. März 2015

Mein lieber Scholli!

Lars Ruppel und Holger, die Waldfee

Ein Bericht und eine Rezension randvoll mit diversen Redewendungen

Freitagmittag zur Leipziger Buchmesse auf der Leseinsel der Jungen Verlage. Poetry Slam mit Lars Ruppel, dem deutschen Weltmeister 2014. Poetry was? Ja, ich gebe zu, für mich waren diese Worte beinah, wie das Betreten Böhmischer Dörfer. Neuland. Und doch war ich froh, dass ich von dieser Veranstaltung dank des Messekalenders Wind bekommen hatte. Glücklicherweise war ich wieder etwas zu früh vor Ort und freute mich beinah wie ein Schneekönig, noch einen ziemlich guten Platz erhascht zu haben. Die Leseinsel füllte sich rasant und alle waren neugierig, kamen sich aber nicht vor, als würden sie auf die Folter gespannt. Denn Lars Ruppel betrat pünktlich die kleine Bühne, die Bretter, die in diesem Moment wohl die Welt für ihn bedeuteten. Alle Anwesenden spitzten die Ohren. 


Ob Lars Ruppel Fracksausen hatte, konnte niemand feststellen, denn beinah hatte man den Eindruck, dass er sein Handwerk wie aus dem Effeff beherrschte. Mit seinem ersten Gedicht zu einer bekannten Redewendung war bei mir der Groschen gefallen, ich fühlte mich pudelwohl, umschlossen von seinen Worten. Selbst das Publikum geriet immer wieder kurzzeitig außer Rand und Band. Dies zog immer mehr Menschen an, die gern sehen oder hören wollten, was den Anwesenden so gefiel. Der springende Punkt bei seinem Vortrag war, dass ich mich nicht fühlte, als würde sich Lars Ruppel etwas aus den Fingern sagen oder etwas durch die Blume sagen. Im Gegenteil, schnell wurde klar, dass all seine Dichterei Hand und Fuß hat und er nichts, aber auch gar nichts unter den Tisch fallen lässt. Dabei muss er seine Kunst nicht an die große Glocke hängen, denn seine Art ist einfach rein sympathisch und vor allem, sehr sprachgewandt, reimsicher und eben auch sehr  treffsicher in seinen Aussagen. Er trifft mit seinen Worten den Nagel auf den Kopf. Als Publikum hat man nicht das Gefühl, er würde einem Honig um das Maul schmieren, im Gegenteil, bei ihm ist nichts Jacke wie Hose, seine Gedichte haben einen meist ernsten Kern, der zum Denken anregen soll und es auch tut. Seine Reime verschwinden nicht in der Versenkung unserer Gehirnzellen, sondern fangen dort an zu arbeiten und führen unweigerlich dazu, dass man beinah denkt, Lars Ruppel spreche aus dem Stegreif einfach so seine Gedichte. Das dahinter eine Menge Arbeit und Engagement steckt, sollte jedem klar sein. Trotzdem oder gerade deswegen lohnt es sich das Buch oder die CD, mit gesprochenen Gedichten des Autors, gegen einen kleinen Obolus zu erwerben. Der Satyr-Verlag hilft da sicherlich sehr gern weiter. Dass man dabei sein Geld nicht zum Fenster rauswirft, dürfte vor allen denen klar sein, die sich mit Poetry Slam schon einmal befasst haben oder gar Lars Ruppel live erleben konnten. Alle anderen werden ihren Spaß haben an den 11 teils sehr unterschiedlichen Gedichten. Inhaltlich versteckt er nicht nur seine Gedanken über Politik und das Leben der Menschen miteinander sondern auch um Fragen der Nachhaltigkeit und Gedanken zum Thema Umwelt. 

(c) Satyr Verlag

Da Lars Ruppel nicht nur ein begnadeter Dichter ist, sondern auch seine Texte hervorragend selbst rezitiert, eignet sich die CD vor allem sehr gut als Geschenk oder Denkanstoß für zwischendurch. Besonders gut gelungen ist ihm ein Gedicht zur Redewendung "Alter Schwede", aber auch Frau "Heide Witzka" sollte man kennenlernen. Hier werden Dinge angesprochen, die wohl niemandem fremd sind und die als Zustimmung zum Nicken mit dem Kopf führen. Für mich steht jedenfalls fest, dass besonders die CD von Lars Ruppel kein Kokolorus ist und mir blieb so manches Minütchen die Spucke weg, als ich ihn live auf der Bühne agieren sah. Die Zeit verging leider wie im Fluge. Doch eines hatte Lars Ruppel in nur 30 Minuten erreicht. Er hat mich neugierig gemacht. Neugierig auf andere Poetry Slamer. Ob er das nur bei mir geschafft hat, darf stark bezweifelt werden, denn nach der Vorstellung von "Schmidts Katze" blieben nicht nur nachdenkliche sondern auch lachende Gesichter zurück.

Lars Ruppel wurde 1985 in Hessen geboren. Bereits mit 16 Jahren trat er auf und gehörte fortan zu den bekanntesten Wortwettkämpfern in Deutschland. 2014 wurde er deutschsprachiger Poetry-Slam-Meister. Neben diversen Poetry-Slam-Projekten, initiierte er sein Poesieprojekt "Weckworte", bei dem er sich für die Pflege und Ansprache von Menschen mit Demenz und geistiger Behinderung einsetzt.  

Das Hörbuch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexeplar zur Verfügung gestellt.

Holger, die Waldfee - Lars Ruppel - Satyr Verlag
Taschenbuch - ISBN 978-3-944-03537-6 - Preis 10,90 €
Hörbuch - ISBN 978-3-944-03549-9 - Preis 10,90 €

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Kommentare:

  1. Liebe Karin,
    danke für dein Kommentar bei mir. Richtig. Nicht immer halten die Nerven stand aber anders mag man es nicht haben. Ich bin unheimlich glücklich.

    Liebsten Gruß.

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    1. Und das ist die Hauptsache liebe Sandra! ♥

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  2. Auf Poetry Slam wurde ich, wie viele andere, durch Julia Engelmann aufmerksam. Ihr Slam "one day / reckoning text" hat mich begeistert und schließlich hab ich ihr Hörbuch geschenkt bekommen. Mein Fazit davon: Ich liebe Poetry Slam! :)

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  3. PoetrySlam ist ein schwieriges Thema für mich. Ich habe schon sehr gute, aber auch schlechte Texte gesehen. Ich habe aber das Gefühl, dass man auf kleinen, regionalen Slams viele Perlen entdecken kann!

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Ich freu mich über euer Gezwitscher!