Mittwoch, 3. August 2016

Turquoise - Sabine Tetzner


Wenn man immer wieder gesagt bekommt, dass man zu nichts nütze ist. Wenn man geschlagen wird, weil man ein Bastardkind ist. Wenn man von anderen gemobbt wird, von einigen gequält und von anderen ignoriert. Dann ist es nicht verwunderlich, dass man sich selbst nicht besonders wertschätzen kann, dass man denkt, die anderen haben Recht. Ich bin ein schlechter Mensch!

Miriam erduldet jeden Tag Qualen in ihrer Familie und in ihrem Umfeld. Stets läuft sie mit gesenktem Blick an den Menschen vorbei. Nichts soll andere verärgern oder ihnen einen Grund liefern, sie zu beleidigen, zu bespucken oder zu schlagen. Und dennoch ist es ihr tägliches Brot, diese Qualen zu ertragen. John ist ein Widerling. Er hält nichts von Miriam. Sie ist ein Bastardkind und kann sich glücklich schätzen, dass er sie zur Frau nimmt. Doch Miriam weiß, all ihre Qualen, die sie bis jetzt ertragen musste, sind nichts im Vergleich zu denen, die sie bei John erwarten. Dennoch bleibt ihr keine Wahl, sie muss mit ihm in den Westen ziehen...



"Turquoise" ist ein Historischer Roman, der um 1870 in Arizona spielt. Es ist ein Roman, der auf eine sehr grausame Weise zeigt, dass Frauen in diesem Jahrhundert in den USA eine sehr untergeordnete Stellung hatten. Harte Arbeit, Kindererziehung und sehr oft auch Demütigungen und Gewalt bestimmten ihren Alltag. Sabine Tetzner nimmt in ihrem ersten veröffentlichten Roman, der bereits 2013 erschien, kein Blatt vor den Mund und schreibt in einfacher aber sehr spannender Weise über das Leben einer Frau, die bereits vor ihrer eigenen Geburt gezeichnet war. Miriam erscheint zunächst als eine geschundene, unselbstbewusste, ängstliche und leicht zu beeinflussende junge Frau. Doch im Laufe des Plots wird nicht nur dem Leser bewusst, dass in ihr viel mehr zu finden ist. Immer mehr entdeckt sie ihre innere Stärke, macht sie sich zu nutzen und lässt sich immer weniger unterwerfen. Auch wenn die Navajo nur einen kleinen Teil der Geschichte ausmachen, so hat die Autorin diese Menschen, die in ihr Land zurückkehren, wunderbar mit eingewoben. Sabine Tetzner spielt mit Wirklichkeit und Traum, während sich ihre Protagonistin immer weiter entwickelt. Immer wieder wird der christliche Glauben und seine Umsetzung zu der Zeit der Siedler in Frage gestellt. 

Auch wenn es durchaus nachvollziehbar ist, warum einige Szenen nicht weiter näher beschrieben sind, so wäre es sicher auch spannend gewesen, die ein oder andere Szene weiter auszubauen. Mit seinen 149 Seiten ist der Roman somit kurzweilig und vor allem in einem Rutsch zu lesen. Was selbstverständlich auch an dem gut durchdachten Plot und seinen Spannungsbögen liegt. Das Ende dürfte für einen großen Teil der Leserschaft nicht vorhersehbar sein. Im Grunde ist es ein Ende, welches zwar überrascht oder weniger wünschenswert erscheint, dem Roman aber einen großen Teil an Ehrlichkeit und Echtheit schenkt. Romantische Wild-West-Erzählungen gibt es zu Hauf, doch Sabine Tetzners Roman "Turquoise" schafft es, ein Stück Wirklichkeit in die heutige Zeit zu transportieren, die den Leser vor allem zum Nachdenken anregt. 

Sabine Tetzner entdeckte wie viele andere Autoren ihre Leidenschaft für das Schreiben schon sehr früh, doch es brauchte ein paar Veröffentlichungen in Anthologien um sich ihrem Herzprojekt, einem eigenen Buch zu widmen. Auch wenn sie mit "Turquoise" eher auf historisches setzt, so gilt ihre Leidenschaft der Fantasy. Mittlerweile hat sie in diesem Genre weitere Veröffentlichungen vorzugsweise als eBook vorzuweisen. Sabine liebt nach eigenen Aussagen gutes Essen, den Herbst und den Geruch von Lindenblüten. Dass sie Lavendel so gar nicht mag, kann im Nestchen niemand so recht verstehen, aber mit dem Schneematsch, dem Karottensaft und dem Putzen gehen wir dann wieder konform. 

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Turquoise - Sabine Tetzner - Turmhut-Verlag
Historischer Roman - Broschierte Ausgabe
ISBN 978-3-936-08495-5 - Preis: 11,90 € 

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Ich freu mich über euer Gezwitscher!