Samstag, 29. März 2014

Solange du bei mir bist - Patrick Osborn ❀ ❀ ❀ ❀ ❀

Solange du bei mir bist
Books on Demond
Taschenbuch
ISBN 978-3-848-24170-5
Preis: 16,90 €

Lektorin Julia lebt in München und hat das Gefühl den Boden unter den Füßen zu verlieren. Nicht nur das ihr Freund Markus sie betrogen hat und das nicht zugeben will. Sie hat auch noch eine Nachricht erhalten, dass ihr geliebter Großvater in Werder einen Schlaganfall hatte und nun im Krankenhaus im künstlichen Koma liegt. Sofort bricht sie ihre Zelte in der Großstadt ab und reist in den Ort ihrer Kindheit. Und genau dort werden Erinnerungen wach, die sie längst verdrängt hatte. Mit Fabio zum Beispiel. Als sie ihn wiedertrifft stellt das ihre Gefühle vollkommen auf den Kopf und als ob das noch nicht alles genug wäre, findet sie plötzlich in ihrer alten Kinderschatzkiste Briefe von ihrem Großvater. Da die Briefe an sie adressiert sind und Julia ziemlich neugierig auf den Inhalt ist, fängt sie an, die Briefe zu lesen. Jeden einzelnen und kommt dabei einem Geheimnis auf die Spur.

"Solange du bei mir bist" ist ein Roman voller Vertrauen, voller Liebe, Sehnsucht und Geborgenheit. Der Plot bietet Zerrissenheit und geschichtliches, genauso wie Lebenslust und Tod. Die Geschichte um Julia entwickelt sich von Seite zu Seite und entfaltet so ihren Zauber. Gerade diese Entwicklung, die ich bei einem der Thriller von Patrick Osborn vermisst habe, ist hier in einem Maße vorhanden, die mich dazu veranlasst hat, das Buch in einem Rutsch zu lesen. Es fiel schwer, es auch nur fünf Minuten aus der Hand zu legen. Diese Tatsache macht wahrscheinlich, das nach eigenen Worten fehlende oder weniger ausgebaute Handlungsgerüst des Autors für die Geschichte aus, welches er sonst bei seinen Thrillern erarbeitet. Der Schreibstil ist dabei immer klar und gut verständlich, aber auch gefühlvoll und flüssig. Die Spannung wird während des ganzen Plots aufrechterhalten und sogar ab und an trotzdem noch gesteigert, ganz besonders wenn Julia einen der Briefe liest. Die Kapitel sind nicht zu lang und tragen ebenfalls ihr Übriges zur Spannung bei. Neben sehr sympathischen und authentischen Figuren beinhaltet dieser Roman auch ein Stück Zeitgeschichte, welche sehr gut recherchiert wurde. Patrick Osborn verbindet in "Solange du bei mir bist" das Thema Liebe mit einem Familiengeheimnis, was sich zwar an manchen Stellen erahnen lässt, aber so spannend ist, dass man wissen möchte, ob man Recht behält. Dieser Roman ist zu keiner Zeit langweilig oder gar langatmig. Gerade deshalb ist er uneingeschränkt empfehlenswert. Zum Schluss möchte ich nur ganz kurz noch einen winzig kleinen Kielschaden zur Sprache bringen, der aber an der obigen Wertung nichts ändert. Das Buch ist bei Books on Demand erschienen, was für sich allein kein Mangel sondern besonders bei diesem Roman eine sehr große Chance für den Autor war. Darauf möchte ich ausdrücklich hinweisen, damit hier nicht der Eindruck entsteht, es wäre kein sehr guter Roman. Allerdings sind ab und zu ein paar kleine Fehler, seien es Rechtschreibfehler oder auch doppelte Wörter zu finden. Da diese kleinen Dinge mich aber im Lesefluss nicht behindert haben, ziehe ich hier keine Blume zurück und sage ganz klar, dass diese Blüten alle verdient sind und ich mich wieder einmal fragen muss, warum ich solch einen tollen Roman nicht schon viel eher gelesen habe.


Mittwoch, 26. März 2014

Die unterirdische Sonne - Friedrich Ani ❀ ❀ ❀ ❀

Die unterirdische Sonne
Friedrich Ani
Gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-570-16261-3
Preis: 16,99 €
Jugendbuch empfohlen ab 16 Jahren

Ein unscheinbares Haus auf einer Insel. In ihm ganz unten im Keller, ohne Sonnenlicht sitzen fünf Jugendliche. Zwei Mädchen und drei Jungen. Sie werden in der Dunkelheit gefangen gehalten. Jeden Tag wird einer von ihnen nach oben zu den dort wohnenden drei Erwachsenen geholt. Was sie dort erleben, dürfen sie sich nicht untereinander erzählen, sonst müssen sie sterben, wird ihnen gesagt. Doch sie ahnen, was der jeweils andere dort oben zu spüren bekommt. Leon ist am längsten da, beinah ein Jahr ist er in diesem Keller gefangen. Maren hat angefangen zu stottern. Sophia hält an ihrem Glauben zu Gott fest. Conrad und Eike sind voll von Wut, Angst und Verzweiflung. Alle fünf fühlen sich mehr tot als lebendig. Bis eines Tages ein Junge in den Keller gebracht wird, der anders ist. Noah lässt sich keine Angst einjagen. Er ist bereit zu kämpfen.

"Die unterirdische Sonne" ist ein ziemlich beklemmender Roman zu einem Thema, welches am liebsten gar nicht oder nur wenig in der Jugendliteratur zu finden ist. Vielleicht wird es aus diesem Grund auch viel diskutiert. Es ist ein lesenswerter, wenn auch beängstigender Jugendroman, der mit einer Altersempfehlung ab 16 Jahren einher geht. Friedrich Ani hat einen sehr eigenen Schreibstil, der manchmal sehr sachlich wirkt um im nächsten Moment etwas dichterisches zu erhalten. Ani arbeitet vor allem viel mit direkter Rede. Das wiederum macht das Lesen sehr rasant, manchmal leider auch etwas verwirrend. Auch wenn man als Leser einige Reaktionen der Protagonisten nicht nachvollziehen kann, so sind sie doch authentisch. Wie würde man selbst in so einer Situation reagieren und fühlen? Vor allem wenn man gerade zwischen 11 und 14 Jahren alt ist. Diese Frage kann man nicht beantworten. Die Charaktere sind unterschiedlich gezeichnet, wollen aber nicht direkt vor dem geistigen Auge sichtbar werden. Trotzdem ist ihr agieren untereinander durchaus nachvollziehbar. Friedrich Ani bringt das Thema der Geschichte auch nicht direkt auf den Punkt, sondern versucht durch allerlei Anspielungen, das Kopfkino jeden einzelnen Lesers zu aktivieren. Das mag bei dem einen nicht sehr weit führen, sofern er sich nicht auf das Thema einlässt, bei einigen wird dies allerdings ziemliche Beklemmungen hervorrufen. Deshalb ist dieses Buch nichts für zartfühlende Leser und die Altersempfehlung durchaus berechtigt. 

(c) Random House / Isabelle Grubert
Friedrich Ani wurde 1959 in Deutschland geboren. Bekannt wurde er durch seine Kriminalromane und erhielt in der Zeit ab 1994 diverse Auszeichnungen für seine schriftstellerischen Arbeiten. Etliche seiner Werke wurden bisher in mehrere Sprachen übersetzt. Heute lebt der Autor in München. Mit einem Zitat von ihm lässt sich auch seine neuestes Werk einwenig besser verstehen. ["Der Kriminalroman zwingt zum Hinschauen in die Gegenwart, das Drama des in seinem Lebenszimmer gefangenen Menschen gelingt mir mit dem Krimi am besten, ohne dass es mir auf Mord und Totschlag und spektakuläre Plots ankäme. In meinen Krimis bestimmen die Langsamkeit und das Schweigen den Handlungsablauf, wobei ein gewisses Maß an genreüblicher Spannung unerlässlich bleiben muss. Darüber hinaus lassen sich im Genre Krimi immer wieder neue Türen öffnen. So beschäftige ich mich fast ausschließlich mit Verschwundenen und Vermissten und der Suche nach ihnen."]

Montag, 24. März 2014

"Wenn die Sonne den Regen küßt, lächelt der Himmel in seinen schönsten Farben."

(c) Wing-Chi Poon
Motto der Woche 
Aphorismus von Helga Schäferling

Eine neue Woche und es regnet. Da ich die Sonne im Herzen trage, finde ich den Regen nicht weiter tragisch. Regen ist notwendig für die Natur und auch für unser Leben. Es scheint nicht jeden Tag die Sonne, auch wenn wir das gern hätten. Sicher gibt es Tage, an denen wir kein leises Nieseln verspüren sondern eher einen gewaltigen Wolkensturz. Aber ihr werdet sehen, auch das geht vorüber, langsam aber stetig. Dann wiederum gibt es Tage, an denen uns beides begegnet. Die Sonne streitet mit dem Regen um den Platz zwischen den Wolken, niemand scheint zu gewinnen und doch gibt es dabei eine Erscheinung, die unser Herz strahlen lässt. Bei der wir wissen, dass diese Erscheinung nur möglich ist, wenn beide, Sonne und Regen sich küssen. Helga Schäferlings Aphorismus fiel mir heute morgen ins Auge und ich war verzaubert, denn im Prinzip ist ihr Aphorismus eine ähnliche Variante meines Lebensmottos. "Du kannst den Regenbogen nicht haben, wenn es nicht irgendwo regnet." Diese Weisheit stammt von den Pueblo-Indianern. Bei einem Regenbogen gibt es immer beides, die strahlende Sonne und den Regen, die sich berühren und dabei zauberhafte Farben an den Himmel malen. Auch wenn die Sonne heute am Himmel fehlen sollte, so tragen wir doch den Regenbogen in uns.

Helga Schäferling wurde 1957 geboren. Die studierte Sozialpädagogin hat schon immer gern gelesen und kam bedingt durch eine Krankheit auch zum Schreiben. Sie hat unter anderem auch Aphorismen in der Bielefelder Grafikwerkstatt und beim Groh-Verlag veröffentlicht.

Ich wünsche euch mit meinem Motto für diese Woche eine gute Mischung aus Regen und Sonne und vielleicht schafft ihr es einen Regenbogen in euer Herz zu zaubern!!!

Samstag, 22. März 2014

Nestgezwitscher mit Patrick Osborn

Selbstverständlich gibt es auch im März wieder ein kleines Interview mit meinem Autoren des Monats. Patrick Osborn war so nett und hat ganz schnell und leise meine Fragen beantwortet. Die Angst, dass ich vielleicht dusselige Fragen stelle, hat er mir ganz schnell genommen und ich kann sagen, dass seine Antworten mir genauso gut gefallen, wie ihm meine Fragen. Da wir uns nun schon 5 Jahre kennen, dürfte es sich von selbst erklären, dass wir beim DU geblieben sind. Aber nun lest selbst:

Buchgefieder: Als erstes gleich zu Beginn die Frage, warum schreibst du unter einem Pseudonym?

(c) Angelika Krause
Patrick Osborn: Als 2001 mein erster Thriller erschien, fand mein Verlag, dass die Verkaufschancen mit einem englisch klingenden Pseudonym besser wären. Zu dieser Zeit hat mich der Roman "Übermorgen" von Allan Folsom fasziniert, in dem die Hauptfigur Paul Osborn hieß. Da ich Patrick als Vorname sehr schön fand, war mein Pseudonym schnell gefunden.


Buchgefieder: Wie schwer oder leicht, ist es dir gefallen, vom Thrillerautor wegzugehen und etwas anderes zu probieren?

Patrick Osborn: Der "Wechsel" ist eher durch Zufall entstanden. In "Ein Platz in meinem Herzen" verarbeite ich ein sehr schmerzvolles persönliches Erlebnis. Anfangs war diese Geschichte nicht zur Veröffentlichung gedacht. Erst nach und nach hat sich herauskristallisiert, dass diese Geschichte doch als Roman erscheinen soll. Letztlich hat mich die Ermutigung meiner Frau darin bestärkt, die Geschichte unseres Sohnes auch tatsächlich zu erzählen. Das Schreiben an sich war dann eine überaus lohnende Erfahrung. Natürlich sind viele schmerzhafte Erinnerungen wieder hochgekommen, aber auch die vielen kleinen, sehr schönen Begebenheiten rückten wieder in den Vordergrund. Beim Schreiben habe ich auch gemerkt, dass dies ein Genre ist, in dem ich mich sehr wohl fühle. Und letztlich hat der Zuspruch meiner Leser dafür gesorgt, dass der Krimi im Augenblick ein wenig passé ist.


Buchgefieder: Du schreibst nicht nur, sondern liest und rezensierst sehr viel. Gibt es eine Art Stapel ungelesener Bücher? Wie groß muss man sich diesen vorstellen? Oder liest du alles relativ zeitnah?

Patrick Osborn: Den gibt es, allerdings würde ich dazu nicht Stapel, sondern eher Schrank sagen J. Hinzu kommt, dass ich auch kaum an einer Buchhandlung vorbeigehen kann, ohne zumindest einen Blick hineinzuwerfen. 


Buchgefieder: Welches Genre bevorzugst du für dich?

Patrick Osborn: Vor zwei, drei Jahren hätte ich noch eindeutig Krimis und Thriller benannt. Doch inzwischen habe ich entdeckt, dass jedes Genre seinen Reiz hat und so versuche ich mein Lesespektrum ständig zu erweitern. Inzwischen lese ich selten zwei Bücher eines Genres hintereinander.


Buchgefieder: Neben der Arbeit als Autor und Rezensent bist du auch als Tutor tätig. Was genau macht die Unterschiede zwischen den einzelnen Tätigkeiten aus und gibt es etwas was du lieber machst als bei den anderen?

Patrick Osborn: Das Schreiben an sich ist für mich immer noch ein Genuss. Ich liebe es, mir Geschichten auszudenken und Figuren zum Leben zu erwecken. Da ich damals selbst eine Tutorin hatte, der ich sehr viel verdanke, ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dies auch an meine Schützlinge weiterzugeben. Außerdem ist es jedes Mal aufs neue eine Freude zu sehen, wie sich manche Schüler entwickeln. Durch die Arbeit als Rezensent habe ich neue Genres entdeckt, an die ich mich so vielleicht nicht herangetraut hätte. Und ich habe durch meine Arbeit für Buchtips.net tolle Kollegen wie Nicholas Sparks, Sebastian Fitzek, Thomas Thiemeyer oder Sina Beerwald kennenlernen dürfen.


Buchgefieder: Wie hältst du Ideen fest, die dir im Laufe des Tages plötzlich in den Sinn kommen?

Patrick Osborn: Ich habe eine App fürs iPad, die sich hervorragend zum Vorbereiten von Geschichten eignet. Man kann dort Handlungsentwürfe, Exposés, Steckbriefe und vieles mehr festhalten. Dort sammle ich inzwischen die meisten meiner Ideen. Wenn mir eine gefällt, arbeite ich sie dort so weit aus, dass ich dann irgendwann mit dem Schreiben beginnen kann. Dort schlummern auch schon zwei Ideen für den übernächsten Roman ...


Buchgefieder: Als Tutor hast du deinen Schülern einmal zu einer Kartei für zukünftige Protagonisten, Antagonisten oder Nebenpersonen geraten. Wie groß muss man sich denn deine Sammlung an unterschiedlichen Charakteren vorstellen?

Patrick Osborn: In meinem alten Zettelkasten schlummern sicher noch einige Dutzend Charaktere, die noch nicht das Licht der Welt erblickt haben. Aber ich habe ja auch noch ein paar Schreibjahre vor mir.


Buchgefieder: Wenn du an Deinem Schreibtisch sitzt und aus dem Fenster schaust, was siehst du?

Patrick Osborn: Da ich im sechsten Stock wohne habe ich eine recht gute Aussicht über Berlin.


Buchgefieder: Kommt es vielleicht auch gelegentlich vor, dass du eine Art Schreibblockade hast? Wie findest du die nötige Motivation wieder, um den Textfluss wieder in Gang zu setzen?

Patrick Osborn: Dieses Problem hatte ich bisher noch nicht (dreimal auf Holz geklopft). Ich habe eher das Problem, dass mir oft viel zu viele Ideen im Kopf umherschwirren und ich schon parallel an mehrere Geschichten (zumindest gedanklich) arbeite. Aber natürlich gibt es auch Tage, an denen der Schreibfluss nicht so läuft. Dann versuche ich zumindest ein oder zwei Seiten zu schaffen, auch wenn ich mir bewusst bin, dass diese womöglich am nächsten Tag im Papierkorb landen. Aber auf diesem Weg erhalte ich mir meine Kreativität.


Buchgefieder: Die Buchgefieder-Frage: Wenn Du ein beflügeltes Tier wärst, welches Tier würdest du dann sein und warum?

Patrick Osborn: Ein Weißkopfseeadler. Zum einen finde ich diese Tiere majestätisch schön, zum anderen würde es mich reizen, die Schwingen auszubreiten und einfach loszufliegen.

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen, lieber Patrick, oder lieber Michael. Auch egal, ich hoffe, ihr hattet beim Lesen des Interviews genauso viel Freude, wie wir beim Erstellen des Selbigen.



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