Freitag, 29. April 2016

Die Sehnsucht des Vorlesers - Jean-Paul Didierlaurent


Oh wie schön es ist, ein Buch zu finden mit Kopfkino, mit einer Art von Magie?
Ein Buch mit einer Geschichte, voller Hoffnung, voller Verständnis und voller Poesie!
Genau dies hab ich gefunden und gelesen, dass ist vollkommen klar.
Bleibt nur meine Rezension, um euch zu beweisen, wie wunderbar diese Reise doch war.


Guylain liebt Bücher und er liebt es, den Menschen in seinem Zug auf dem Weg zur Arbeit etwas vorzulesen. Immer nur Bruchstücke aus Büchern, nicht mehr und nicht weniger. Für 20 Minuten sitzt er umringt von Menschen, die zuhören, egal, was Guylain vorliest. Ist es sein schlechtes Gewissen? Sollen die Bücher wenigstens einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit erhalten, den sie eigentlich verdient haben? Guylian arbeitet auch als Buchvernichter, in einer Fabrik, mit einer Höllenmaschine, die grauen Papierbrei ausspukt. Er ist es den Büchern schuldig.

Und eines Tages findet der Vorleser einen USB-Stick, auf dem er eine Art Tagebuch einer jungen Frau findet, die irgendwo in einen Einkaufzentrum arbeitet. Er entschließt sich, ihre Seiten zunächst selbst zu lesen und dann in der Bahn seinen Zuhörern vorzulesen. Immer tiefer wandelt sein Herz in die kurzen Einträge hinein und Schritt für Schritt verliebt er sich in eine ihm vollkommen fremde Frau.


"Die Sehnsucht des Vorlesers" ist der Debütroman von Jean-Paul Didierlaurent, den er bereits 2014 in Frankreich veröffentlichte. Seine Geschichte um den Fabrikarbeiter Guylain ist eine zauberhafte Hommage an die Bücher, auch wenn sie in seinem Plot einen grausamen Tod sterben. Mit dem Vorleser, der in gewisser Weise ein eher introvertierter Mensch ist, hat er eine wunderbare Verbindung gewählt. Guylain ist ein Charakter, den man nur schwer nicht mögen kann. Etwas eigensinnig, auch mal schusselig und doch voller Energie, wenn er von etwas überzeugt ist. Ein wunderbares Pendant ist ihm mit Julie gelungen. Eine starke junge Frau, die in ihrem Beruf nicht immer nett behandelt wird und trotzdem jeden Tag ihre Frau steht. Jean-Paul Didierlaurents Schreibweise dürfte man als klar und geradlinig bezeichnen, mit einem Hauch von Poesie und Magie in jedem seiner Worte. Sein bildhaftes Schreiben macht das Kopfkino leicht und vor allem kann man mit seinen Worten wunderbar der realen Welt entfliehen. 

Einfach nur mal kurz anlesen, ist bei diesem Roman eine Aussage, die man nur schwer einhalten kann. Denn bereits nach wenigen Worten schafft es der Autor, dass man sich langsam aber sicher magisch hineinziehen lässt in die Welt des Protagonisten. Dabei muss sich der Autor mit seiner zuweilen typisch französischen Art nicht mit Schachtelsätzen oder gar Cliffhangern abmühen. Der Leser bleibt von ganz allein bei der Geschichte hängen. "Die Sehnsucht des Vorlesers" ist einer dieser Bücher bei dem man schon während des Lesens weiß, dass man traurig wird, weil das Buch irgendwann sein Ende finden wird. Ein Ende, das wahrlich trefflich ist und es zu einem Lieblingsbuch macht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich bereits ein Filmproduzent die Rechte hat sichern lassen und höchstwahrscheinlich wird der Film, sofern er nur den Hauch der Poesie des Buches hat, ein Erfolg werden.

Auch wenn im Nestchen die "normalen" Geschichten um Liebende nicht wirklich Absatz finden, so ist dieses Buch mit seiner doch sehr zarten Botschaft an die Liebe genau das Richtige für den manchmal eintönigen Alltag. Es verzauberte, es zeigte Poesie und es wird einen dauerhaften Platz in der Nestbibliothek erhalten.

Jean-Paul Didierlaurent wurde 1962 in Frankreich geboren. 1997 reichte er erstmalig zwei Erzählungen bei einem Schreibwettbewerb ein, beide gewannen. Seit dem hat er etliche Kurzgeschichten verfasst, die mehrere Auszeichnungen erhielten. 2014 schaffte er es mit seinem Debütroman nicht nur ganz Frankreich zu verzaubern, sondern kurze Zeit später auch einige andere Länder mehr. Das Buch wurde in nur vier Wochen in 26 unterschiedlichen Ländern verkauft. 

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Die Sehnsucht des Vorlesers - Jean-Paul Didierlaurent
Gegenwartsliteratur - dtv Verlag - Taschenbuchausgabe
ISBN 978-3-423-26078-7 - Preis: 14,90 € (D) / 15,40 € (A)


Dienstag, 26. April 2016

Der Wind war es - Nataša Dragnić


Gestatten, mein Name ist Jugo! Wie? Du hast noch nicht von mir gehört? Ich, einem Wind, der in Kroatien im Süden sehr stark werden kann. Der mit vielen Wolken, Regen und einer Windstärke von bis zu neun Beaufort charakterisiert wird. Mit mir ist nicht zu spaßen, das sage ich dir. Ich beginne vielleicht ganz still, aber ich wachse schrittweise heran und kann euch bis zu drei Tage lang mit meiner Anwesenheit beehren. Doch Vorsicht! Ich bin unberechenbar. Die Kraft der Natur ist gewaltig, beinah so gewaltig wie die Kraft der Liebe. Vielleicht ist es besser ihr bleibt im Haus und beschützt einander, bevor ihr zu mir nach draußen kommt, da wo die Wellen so hoch schlagen und der Wind euch am Vorankommen hindert...

Es ist Mai auf der kroatischen Insel Brač und Julia beherbergt sechs junge Menschen, die in ihrem abgeschiedenen Gästehaus ein Theaterstück proben wollen. Sie alle sind Laien was die Schauspielerei betrifft. Diese Menschen sind so unterschiedlich wie das Wetter und vor allem gehen sie mit ihren kleinen Sticheleien Julia bald so richtig auf die Nerven. Dabei sind sie umgeben von einer beeindruckenden Landschaft, einer atemberaubenden Felsenküste, einem Meer, dass mit einem blauen Himmel lockt. Doch bevor es den Laiendarstellern gelingt, diese Schönheit zu erkennen, beginnt ein Sturm aufzuziehen. Der launische, gefährliche und wilde Südwind Jugo bringt dabei nicht nur die Natur durcheinander. Er nistet sich ein in den Köpfen der Menschen und bringt ihre Gedanken, ihre Ruhe aus dem Gleichgewicht. Fragen nach dem eigenen Sein werden wach. Jugo schürt nicht nur Ängste, er schafft es, dass die Menschen aus sich herausbrechen und manchmal ist der Schaden enorm hoch.


"Der Wind war es" ist bereits der dritte Roman, den Nataša Dragnić veröffentlicht hat. Es ist eine Geschichte, die wie der Südwind Jugo schrittweise ansteigt und immer wieder etwas windstill zu werden scheint. Doch in genau diesen windstillen Momenten baut die Autorin langsam aber stetig erneut Elemente, vor allem sprachlicher Natur ein, die den Lesefluss beschleunigen und so wilder und unberechenbar erscheinen, wie der Südwind, der den Protagonisten um die Nase weht. Dies schafft sie vor allem mit einer Reihe von Wortaufzählungen, knackigen Dialogen und mit kurzen Kapiteln. Immer wieder fragte ich mich, wo mich die Reise noch hinführen wird. Vor allem, wer mit wem und warum agiert. Denn hier liegt leider der einzige kleine Schwachpunkt. So wirr die Protagonisten vom Jugo auch gemacht wurden, so konfus wurde auch ich ab und an. Resultierend daraus habe ich wenig Tiefe in den Figuren sehen können. Einzig Julia und Toma, waren sie in einigen Szenen genauso undurchsichtig wie die Schauspielgruppe, konnten mich so richtig mitziehen. Bei anderen erweckte sich mir der Eindruck von leichter Verrücktheit. Wirkte es bei dem einen eher naiv und charmant, so gab es auch Figuren, die mir vollkommen unsympathisch erschienen. Gerade dadurch sind der Autorin einzigartige Charaktere gelungen, die man nicht unbedingt mögen muss, aber welche durchaus menschlich und vor allem verletzlich sind. 

Das Ende ist, auch wenn im Seitenklappentext bereits beschrieben, ein richtiger Paukenschlag und das obwohl der stürmisch, grausame Jugo bereits abgezogen ist. Dennoch hat er einen Anteil an der Misere. Letztendlich bewegen nicht nur die Figuren, die Frage, nach dem eigentlichen Dasein und wo in der Welt man seinen Platz hat. Auch dem Leser wird bewusst, das nicht nur die Kraft der Natur gewaltig sein kann, sondern auch die der Liebe. Es ist wichtig zu wissen, was man will und vor allem wen, denn sonst kann es ganz leicht der Anfang vom Ende werden. Das Cover, welches wirklich wunderbar mit dem Inhalt des Buches harmoniert, wird selbst kurz Gegenstand der Geschichte, was wiederrum etwas Reales hervorruft. "Der Wind war es" ist ein Roman, der aufwirbelt, der zwischendurch windstill erscheint und dann auch richtig gefährlich und wild aufbraust. Ein Roman, der mit kleinen Ecken und Kanten eine Leseempfehlung aus dem Nestchen mehr als verdient hat. Aber auch ein Roman, der nicht innerhalb eines Sturmes gelesen werden sollte, sondern auch nach dem Abklingen Zeit braucht um sich in der Windstille in den Gedanken des Lesers zu entfalten.

Nataša Dragnić wurde 1965 in Kroatien geboren. Mit dem Blick aus ihrem Kinderzimmerfenster aufs Meer entwickelte sie ihre Liebe zur Natur. Sie stand als kleines Mädchen vor dem Spiegel und übte Grimassen, versuchte Gefühle zu transportieren, um einmal auf der Bühne zu stehen. Dies ist ihr gelungen. Obwohl sie zwischendurch ein abgeschlossenes Germanistikstudium hatte, Sprachen liebt und auch eine Diplomantenausbildung erfolgreich abgeschlossen hat. Das alles war ihr zu viel Politik, sie wollte zurück ans Meer. Was sie in ihren Roman ausdrucksstark zu ihren Lesern transportiert.  

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Der Wind war es - Nataša Dragnić
Gegenwartsliteratur - Gebundene Ausgabe - ars vivendi Verlag
ISBN  978-3-869-13622-6 - Preis: 19,90 € (D) - 20,50 € (A)

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Dienstag, 12. April 2016

"Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins."


Motto der Woche

 
Aphorismus von Marie von Ebner-Eschenbach

Mir wird sehr oft nachgesagt, dass ich die Ruhe in Person wäre. Ich selbst sehe das jetzt nicht ganz so tiefenentspannt, aber ja, ich denke, ich habe eine gewisse Form von Gelassenheit in mir. Nicht weil ich Problemen aus dem Weg gehe, nein, eher weil ich mir immer wieder nahe lege, dass man das meiste davon sowieso nicht ändern kann. Nehmen wir beispielsweise diesen Aphorismus, der mir heute ganz überraschenderweise ins Nestchen flatterte. Es ist Bestandteil eines Kalenders von 2015. Soweit so gut. Ich hatte ihn zu Weihnachten 2014 als Überraschung an eine andere Bloggerin geschickt. Nun ja, heute kam er mit dem Vermerk zurück, dass man diese Person dort nicht mehr antreffen kann. Logisch, mittlerweile ist sie schon eine ganze Weile in einem neuen Zuhause. Aber ich hatte es ja auch 2014 abgeschickt. Das muss man sich mal wirklich so richtig auf der Zunge zergehen lassen: 2014! Wahnsinn!


Nun könnte ich all meine Gelassenheit über den Nestrand schmeißen und die Deutsche Post so richtig durch den Kakao ziehen und mich beschweren, mich aufregen, bis ich wahrscheinlich rot anlaufe und keine Luft mehr bekomme. Mach ich aber nicht. Es bringt mir doch den Überraschungseffekt für die Bloggerin nicht zurück, wenn ich die Postbeamten jetzt niedermähe. Natürlich ärgert mich, dass ich umsonst Geld ausgegeben habe und sich noch nicht einmal jemand hat freuen können. Aber was solls. So ist es halt und daran ist jetzt nichts mehr zu rütteln. Ich achte lieber auf mich und mein Federkleid. Dem geht es nämlich überhaupt nicht gut, wenn ich mich in Wut aufplustere. Also lieber Gelassenheit. 

Diese Einstellung habe ich schon einige Jahre und mittlerweile beherrsche ich meine eigene Gelassenheit ganz gut. Ja, ich würde sogar sagen, dadurch habe ich eine andere Form von Selbstbewusstsein entwickelt. Ich ruhe in mir und einige aus meinem Umfeld staunen immer wieder darüber. Probiert es doch einfach mal aus. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man gelassener reagiert, als es ein anderer erwartet. Es stärkt ungemein, ehrlich!

Ich wünsche euch eine tolle Woche mit einer großen Portion Gelassenheit!

Freitag, 8. April 2016

Wo Traurigkeit und Freude sich die Hand reichen...


...wird Neues entstehen! So geschehen auf der vierten und letzten HobbitCon. Bevor ich euch von meinen Erlebnissen berichte, sei angemerkt, dass es nicht unbedingt das "Last Goodbye" war. Auch wenn es weder eine RingCon noch eine HobbitCon geben wird, so werden wir vielleicht Bekannte in der neuen MagicCon wiedersehen.

Vom 01. bis zum 03. April 2016 war es Zeit für all die Zauberer, Elben, Zwerge, Hobbits, Warge und Orks sich auf den Weg nach Mittelerde zu machen und in Bonn gemeinsam die letzte HobbitCon zu erleben. Mit etwas Vorahnung, dass diese letzte Con wohl sehr "voll" werden würde, reisten auch wir ins Maritim Hotel. Doch zu unserer Verwunderung waren die Besucher zwar zahlreich, aber ganz sicher nicht mehr als noch im letzten Jahr. So konnten wir auch mit unserem einfachen Wochenendticket eine tolle Zeit verleben. Nachdem wir uns unsere obligatorischen Armbänder anlegen ließen, unsere Merchandise-Tüte entgegen genommen hatten und uns mit breitem Grinsen zum Einlass bewegten, ahnten wir, dass wir ein grandioses Wochenende vor uns haben würden. Wie grandios, das war mir bis dato natürlich nicht bewusst. Nur soviel...es haben zwei Personen eine bestimmte Regel gebrochen und wir zwei Nestbewohner waren es nicht.

Dienstag, 5. April 2016

The Last Goodbye...


...war am Sonntag. Die vierte und letzte Hobbitcon fand in Bonn im Maritim Hotel statt. Nachdem bereits im letzten Jahr die Ringcon in Rente gegangen ist, folgt nun diese kleinere doch genauso familiäre Con. Schade, ganz sicher. Tränenreich, auch das. Wehmut, hängt sicher immer noch in einigen Herzen. Aber, wie viele der Besucher versuchen auch wir das Positive, die Herzlichkeit, das Lachen, die Albernheit, die Offenheit, das Verständnis und die vielen tollen Momente im Herzen einzuschließen und mit zu nehmen. Auf einem Weg, der vielleicht in eine neue Con führt, ganz sicher nicht minder in eine Congemeinschaft, die weiter wachsen wird. Genau das ist es, was man in Bonn findet. Eine Gemeinschaft...ohne schlechte Laune, Wut und wenn doch, dann mit genauso viel Verständnis und Lächeln, mit sooo viel Herzlichkeit. Danke dafür!

Bevor ich euch von unserer letzten Hobbitcon berichte, was im Übrigen nicht wenig werden wird. Möchte ich gern, auch wenn bereits Dienstag ist, euch mein Foto der letzten Woche nicht vorenthalten. Es hält einen Moment fest, der am Ende der Con geschah, der Traurigkeit und Freude in einem vereinte. Billy Boyd griff sich eine Gitarre und spielte "The Last Goodbye" aus dem dritten Teil der Hobbittrilogie. Ein Moment, den ich nie vergessen werde, einen Moment, den ich mir im Herzen eingeschlossen habe. Ich liebe dieses Lied, auch wenn es mich an traurige Filmszenen erinnert. Egal, dieses Lied ist mein ganz persönlicher Hobbitschatz und ich durfte es live hören. Von einem Mann der soviel Herzlichkeit und Wärme ausstrahlt, der aber auch kindisch und sehr schlagfertig mit Worten sein kann. Danke Billy für diesen Herzmoment!


Damit ihr euch vorstellen könnt, wie sich das jetzt so ungefähr angehört hat, verlinke ich ein Video, in dem der liebe Billy in einer Buchhandlung dies zum Besten gab. Nun stellt euch einen Saal mit ca. 2800 Sitzplätzen vor. Eine Menge Lichter, die in die Höhe gehalten werden und es still ist, mucksmäuschenstill, bis auf Billy. Und spürt ihr schon eine gewisse Gänsehaut...ich auf jeden Fall!!!



Freitag, 1. April 2016

Flugspuren im März



Eigentlich ist ja buchgefiederter Rezensionsfreitag, aber ich weile derzeit in Mittelerde. Trotzdem will ich euch meine kleine feine Auswahl des Monates März nicht vorenthalten. Wie ihr sehen werdet, habe ich mich zurückgehalten und keine Messeberichte verlinkt. Warum nicht? Na, habt ihr mal gesehen, wieviele tolle Berichte die vielen tollen Bloggermenschen geschrieben haben? Ich habe bei vielen kommentiert...das muss erst einmal reichen.

Ich habe euch 6 verschiedene Beiträge verlinkt. Nicht viel, dem ersten Anschein nach. Aber unterschätzt nicht die Länge einzelner Posts. Der buchgefiederte März war aber auch geprägt mit Vorbereitungen und Nachbereitungen der Leipziger Buchmesse. Ich hoffe, das zählt als kleine Ausrede, dass ich euch nur meine absoluten Favoriten präsentiere. 


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